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Ausgabe 02/2003
Stromverbrauch

Was verbrauchen die modernen Geräte?

Neue Technologien bergen die Gefahr, ehrgeizige Ziele des Energiesparens in unvorhergesehener Weise zu behindern. Dies zeigt eine Studie, die das Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit vor kurzem abgeschlossen hat.

Prognose für den Energieverbrauch verschiedener Geräteklassen (Grafik: ISI) Bild vergrößern

Ziel des Gutachtens war es, den direkten und indirekten Einfluss moderner Geräte, Systeme und Dienstleistungen der Informations- und Kommunikationstechnik auf den Energieverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2010 qualitativ und quantitativ zu analysieren. Im Jahr 2001 betraf dieser Sektor - dazu zählen Fernsehgeräte, Audiosysteme, Videogeräte, Festnetz- und Mobilfunktelefone sowie Computer - 1,4 Prozent des Endenergiebedarfs in Deutschland und rund 8 Prozent des gesamten Verbrauchs an elektrischem Strom. 2010 werden diese Geräte nach den Schätzungen des ISI insgesamt 55 Milliarden Kilowatt Strom jährlich benötigen, das sind knapp 11 Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs und entspräche der Stromerzeugung von acht großen Kraftwerken.

Diese Berechnungen und Abschätzungen beruhen auf umfangreichen Untersuchungen – Auswertung von Statistiken und Fragebögen, Messung des Leistungsaufnahme von Endgeräten und ähnlichem – in denen die Zahl der gegenwärtig zu privaten und gewerblichen Zwecken verwendeten Geräte des I-und K-Sektors sowie deren Stromverbrauch ermittelt wurde. Getrennt nach Gerätegruppen wurde deren künftige Bedeutung abgeschätzt. So werden Fernsehgeräte, die ca. die Hälfte des Stroms in dieser Gerätegruppe verbrauchen, die Energiefresser Nummer 1 bleiben. Ihr Anteil wird sich jedoch nicht wesentlich steigern. Die im Mobilfunksektor verbrauchte Energie wird dagegen von derzeit über eine Milliarde Kilowattstunden jährlich auf das etwa Vierfache steigen. Denn nach den Überlegungen der Fraunhofer Forscher wird zum einen das GSM-Netz moderat ausgebaut werden. Hinzu kommt die Inbetriebnahme des UMTS-Netzes, dessen Basisstationen nach Expertenschätzungen doppelt soviel Leistung aufnehmen wie GSM-Stationen.

Im Rahmen dieser Untersuchungen entwickelten die Forscher außerdem ein "Frühwarnsystem". Dieses hat die Funktion, frühzeitig Entwicklungen zu erkennen, die den künftigen Stromverbrauch wesentlich beeinflussen können. So hat zum Beispiel der Mobilfunk in den vergangenen 10 Jahren unerwartet stark zugenommen. Anfang der 90er Jahre hätte kein Experte damit gerechnet, dass heute in Deutschland rund 50 Millionen Teilnehmer den Mobilfunk nutzen würden.

Auch konkrete Vorschläge, wie solchen Trends eines zunehmenden Energieverbrauchs zu begegnen sei, finden sich in der Studie. Zum einen ließen sich Geräte weit energiebewusster benutzen, indem sie außerhalb des Betriebs richtig ausgeschaltet werden und nicht im "stand-by"- oder "Schein-Aus"-Zustand verharren. Auf nationaler und auf EU-Ebene könnten die Effizienzanforderungen verschärft werden (verpflichtende Energielabel) und sparsame Technologien könnten aus öffentlichen Mitteln gefördert werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Verbraucher über eine Ökosteuer zu sparsamem Verhalten zu bewegen. Und schließlich setzen die Forscher auch auf freiwillige Vereinbarungen mit der Industrie, energieeffiziente Geräte zu entwickeln.

Olivia Meyer-Streng