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Ausgabe 01/2019
Windenergie

Künstliche Inseln       

Eine künstliche Insel inmitten der Nordsee als Verteilerkreuz für Windstrom aus tausenden von Windturbinen – diese Vision eines „North Sea Wind Power Hub“ verfolgt ein Konsortium, dem neben dem deutschen Übertragungsnetzbetreiber Tennet das dänische Energienet, der niederländische Ferngasnetzbetreiber Gasunie und die Betreibergesellschaft des Rotterdamer Hafens angehören.


So könnte eine künstliche Insel zum Verteilen von Wind­strom aus­sehen.
(Grafik: TenneT)

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Ziel ist es, so das Konsortium, Offshore-Windstrom bezahlbar zu halten. Zwar haben die Kosten in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Das langfristig zu erwartende Vordringen neuer Windparks in immer tieferes Wasser lasse jedoch erneut ansteigende Kosten erwarten. Denn mit größerer Entfernung vom Ufer wachsen zwar die Windgeschwindigkeiten und Erträge, ebenso aber auch die Kosten für Fundamente, Anschlusskabel und Wartung.

Eine oder mehrere in der Nordsee aufgeschüttete Inseln mit Übertragungsleitungen zu den angrenzenden Ländern könnten hier kostensenkend wirken. Als Energie-Drehscheiben für sehr große Mengen an Windstrom könnten sie über Gleichstrom-Verbindungen den länderübergreifenden Stromhandel unterstützen. Windparks einer gewaltigen Gesamtleistung von 70 bis 100 Gigawatt könnten an diese Knotenpunkte angeschlossen werden.


Verteilerkreuz inmitten der Nordsee
(Grafik: TenneT)

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Passender Standort einer künstlichen Insel wäre eine zentrale Stelle in der Nordsee mit möglichst flachem Gewässer und guten Windverhältnissen – etwa in der Dogger-Bank weit vor den Küsten der Anrainerländer. Anders als auf Einzelfundamenten könnten auf einer Insel elektrische Anlagen wie Umrichter und Transformatoren beliebig groß und schwer sein. Dies würde, so die bisherigen Ergebnisse des Konsortiums, trotz des beträchtlichen Aufwandes für den Bau der Insel die Kosten im Vergleich zur üblichen Stromübertragung mit Hilfe vieler kleiner Offshore-Plattformen reduzieren.

Weiter ausgebaut, könnte eine Insel sogar Wohnräume für Personal bieten und Bau- und Wartungsarbeiten in den umliegenden Windparks erleichtern. Auch Hafen und Lagerräume sowie eine Start- und Landebahn für Flugzeuge wären denkbar. Zur Speicherung könnte man gerade nicht gebrauchten Windstrom direkt vor Ort in Gas umwandeln. Die technische Machbarkeit solcher künstlichen Inseln wurde bereits nachgewiesen, so das Konsortium. Zur genaueren Bewertung des Konzepts sind jedoch weitere Untersuchungen nötig, die laut Tennet noch vor dem Sommer stattfinden sollen.  

bal