aktuell themen archiv links abo download impressum
    Suche
 
 
 
Ausgabe 04/2020
Stromversorgung

Notfallkraftwerke

Neben dem 2011 abgeschalteten Kernkraftwerk Biblis wird RWE ein neues Gaskraftwerk errichten. Allerdings soll es seine elektrische Leistung von 300 Megawatt ausschließlich für Notfälle vorhalten und im Strommarkt nicht verfügbar sein.


Ein neues Gaskraftwerk ist in Biblis geplant
(Abbildung: RWE)

Bild vergroessern

Dieses neue Instrument der „besonderen netztechnischen Betriebsmittel“ ist eine Antwort des Gesetzgebers auf die Änderungen im Stromsystem: Kernenergie- und Kohleausstieg verlangen den Ausbau des Stromnetzes, um den im Norden produzierten Windstrom nach Süddeutschland zu bringen. Bis die großräumigen Leitungen stehen, sollen neue Anlagen die Stromversorgung im Süden sichern, wenn dort 2021 und 2022 die letzten Kernreaktoren abgeschaltet werden. Fällt ein Netzelement aus, sollen diese schnell regelbaren „Notfallkraftwerke“ einspringen und das Netz in einen sicheren Zustand zurückbringen.

Dazu hatten 2018 die Übertragungsnetzbetreiber Tennet, Amprion und TransnetBW in vier Regionen Süddeutschlands „besondere netztechnische Betriebsmittel“ von insgesamt 1.200 Megawatt Leistung ausgeschrieben. Den ersten Zuschlag erhielt letztes Jahr Uniper. In Irsching bei Ingolstadt in Oberbayern, wo bereits zwei Gasblöcke betrieben werden, wird ein drittes Gaskraftwerk mit 300 Megawatt entstehen. In Marbach am Neckar wird die ENBW ein 300-Megawatt-Gasturbinenkraftwerk bauen, das den Großraum Stuttgart absichert. Mit dem Zuschlag für die Anlage in Biblis, die Teile von Südhessen und Nordbayern abdecken soll, ist einzig das Verfahren in Bayerisch-Schwaben noch offen.

Alle vier Kraftwerke sollen ab Oktober 2022 betriebsbereit sein; die Kosten werden – nach Prüfung durch die Bundesnetzagentur – auf die Stromverbraucher umgelegt.

imi