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Ausgabe 03/2010
Energieeffiziente Lampen

Lumen statt Watt – Lampen in neuer Verpackung

Das Lampenregal im Baumarkt wartet seit Herbst mit einer Überraschung auf: Statt der gewohnten Wattzahl prangt – wie von der EU gefordert – groß ein Lumenwert auf den Packungen. Lumen steht für die wichtigste Eigenschaft einer Lampe: ihre Helligkeit. Der Verbraucher aber ist irritiert, denn obwohl die Watt-Angabe die elektrische Leistungsaufnahme der Lampe bezeichnt, verbindet er mit ihr eine bestimmte Helligkeit. Das funktioniert, solange alle Lampen gleich viel Licht pro Watt Leistung liefern, wie es früher der Fall war. Doch heute erzeugt eine 60 Watt-Glühlampe etwa 750 Lumen, eine Halogenlampe ist schon mit ungefähr 42 Watt so hell und eine Energiesparlampe zieht dafür 11 bis 15 Watt aus dem Netz. Dem trägt die EU nun Rechnung, verlangt aber weiterhin auch die Angabe von Watt auf der Packung. Außerdem werden allen Lampen Energieverbrauchsklassen, wie sie für Hausgeräte üblich sind, zugeordnet. Energiesparlampen liegen in der niedrigsten Klasse A.


Halogen- und Energiesparlampen (Foto: Osram)

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Änderung ist Teil derselben Verordnung, die ab September 2010 Glühlampen über 60 Watt aus dem Handel nimmt. Als Alternativen kommen überwiegend Halogen- und Energiesparlampen in Frage. Letztere geraten aber immer wieder in die Kritik: Im April 2010 bewertete die Stiftung Warentest nur wenige der 28 untersuchten warmweißen Energiesparlampen mit „gut“ und fällte überwiegend das Urteil „ausreichend“ (siehe auch Energie Perspektiven 4/2008). Ein wichtiger Kritikpunkt war der starke Helligkeitsabfall – fast jede zweite Lampe lieferte schon nach 3.000 Stunden nur mehr 80 Prozent ihres Ausgangswerts. Würde man sie dann auswechseln, wie es die Richtlinien für Arbeitsplätze verlangen, hätte sie nur drei Mal länger als eine Glühlampe durchgehalten. Ein Gutteil der Lampen fiel überdies nach 6.000 Stunden ganz aus und viele überstanden keine 10.000 Schaltzyklen.


LED-Lampen (Foto: Philips)
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Weiter bemängelten die Tester, dass manche Exemplare ihre volle Helligkeit erst spät nach dem Einschalten erreichten, und dass besonders warm-weiße Versionen Farben – speziell Rottöne – verfälschen. Der Test ermittelte auch den gesamten Primärenergiebedarf der Lampe – von der Herstellung über den Betrieb bis hin zur Entsorgung. Eine Glühlampe wäre nach diesen Kriterien mangelhaft, die meisten Testexemplare schnitten gut ab. Ein Dorn im Auge ist den Testern der Quecksilbergehalt von Energiesparlampen: Hier vergaben sie meist die Note „ausreichend“ und empfahlen, das Recycling zu verbessern. Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) landen über 80 Prozent der Sparlampen aus Privathaushalten im Müll. In einer Meldung vom 27. August beklagt die DUH die mangelnde Bereitschaft des Handels, Rückgabebehälter aufzustellen und fordert eine Rücknahmepflicht ähnlich der für Batterien. Es gibt also noch zu tun für Lightcycle, ein von führenden Lampenherstellern gegründetes Unternehmen, das Rücknahme und Entsorgung von Gasentladungslampen organisiert. Viele Hersteller verringern auch den Quecksilbergehalt der Sparlampen.

Die Sprecherin von Osram, Nadine Müller, zählt weitere Entwicklungen auf: „Mittlerweile gibt es sehr kleine Lampen, Versionen mit sehr kurzen Anlaufzeiten und eine neue Lichtfarbe, deren warmes Licht dem der Glühlampe noch ähnlicher ist. Zusätzlich haben wir sehr effiziente Halogenlampen.“ Wie ihr Kollege Bernd Glaser von Philips weist sie auf die wachsende Attraktivität von Leuchtdioden (LED) hin. Mit LED bestückte Lampen sind schon heute so effizient wie Energiesparlampen und werden sie demnächst übertreffen. Außerdem leuchten sie wesentlich länger und geben Farben besser wieder. Einzig ihr Preis schreckt noch viele Kunden ab. Aber der, so Glaser, bewege sich schnell: „Unsere 40 Watt LED-Lampe ist heute nur mehr halb so teuer wie vor einem Jahr“.

Christine Rüth