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Ausgabe 01/2006
Treibhausgase

Das Meer wird sauer

Vier der insgesamt elf Kilogramm Kohlendioxid, die täglich pro Person durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe in die Atmosphäre freigesetzt werden, landen in den Weltmeeren. Dies mildert zwar den Treibhauseffekt, schadet aber der Meeresfauna: Das Kohlendioxid reagiert mit dem Meerwasser zu Säure, welche die Kalkschalen vieler Meeresbewohner auflösen kann.



Gefährdet: Das Gehäuse der Flügelschnecke Limacina (Foto: Alfred-Wegener-Institut)
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Eine kürzlich im Wissenschaftsmagazin Nature erschienene internationale Studie zeigt, dass diese Versauerung in den Polargebieten bereits in fünfzig bis hundert Jahren zum Verschwinden wichtiger Meeresorganismen führen könnte, viel früher als bisher angenommen. Bedroht sind vor allem Seegurken, Kaltwasserkorallen und im Wasser schwebende Flügelschnecken. Da sich hiervon wiederum andere Tiere ernähren, sind schwerwiegende Auswirkungen auf das gesamte polare Ökosystem zu befürchten. Die Forderung der Forscher ist eine drastische Einschränkung der Treibgasemissionen.

Die Studie fußt auf weltweiten Messungen des Kohlenstoffgehalts der Meere. „Um die Vorhersagen abzusichern, haben wir 13 alternative Berechnungsmodelle mit den Daten gefüttert“, erläutert Prof. Reiner Schlitzer vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. „Beim Vergleich der Ergebnisse gab es kleine Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Modellen, aber die grundsätzliche Aussage war immer die gleiche: Die Meere versauern viel schneller als bisher angenommen.“ Nach Ansicht der Wissenschaftler ist die Vorhersage deutlich sicherer als derzeitige Klimaprognosen, da die Aufnahme von Kohlendioxid durch die Meere einfachen Gesetzmäßigkeiten folgt und nur wenig Störfaktoren berücksichtigt werden müssen.

bal

Weiterführende Information:

Anthropogenic ocean acidification over the twenty-first century and its impact on calcifying organisms. James C. Orr et al.; in: Nature, 437, 29. September 2005, Seite 681 - 686