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Ausgabe 04/2021
Elektrizität

Stromverbrauch 2030

Der deutsche Stromverbrauch wird bis zum Jahr 2030 deutlich zunehmen: Er wird elf Prozent höher liegen als 2018 und von 595 auf 658 Terawattstunden ansteigen – also um den Verbrauch von rund 15 Millionen Drei-Personen-Haushalten. Im Auftrag des Wirtschafts­ministeriums errechnete dies Ende Oktober ein Konsortium von Prognos AG, Öko-Institut und Fraunhofer ISI. Laut Koalitionsvertrag der künftigen Bundesregierung von Ende November könnte der Anstieg sogar doppelt so hoch ausfallen.


Der deutsche Stromverbrauch wird deutlich ansteigen
(Foto: Panthermedia)

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Die Analyse des Konsortiums beruht auf Szenario-Rechnungen, welche die aktuellen Ziele des Klimaschutzgesetzes berück­sichtigen: Der Ausstoß von Treibhausgasen ist 2030 um 65 Prozent niedriger als 1990. Weil dazu Strom an die Stelle fossiler Brenn- und Treibstoffe treten und zum zentralen Energieträger für Wärmeerzeugung, Mobilität und Wasserstoffproduktion werden muss, steigt der Strombedarf entsprechend an.

Haupttreiber ist dabei der Verkehrssektor. Die wachsende Elektro­mobilität im Straßenverkehr trägt mit 68 Terawattstunden zum Anstieg bei. Gab es 2018 rund hunderttausend Elektroautos, sollen es laut Szenario bis 2030 über 16 Millionen sein. Die starke Förderung des Schienenverkehrs erhöht den Stromverbrauch um weitere 5 Tera­watt­stunden. Mit Batteriefabriken, insbesondere für Elektroautos, entstehen neue industrielle Großverbraucher, die 2030 etwa 15 Terawattstunden an elektrischer Energie benötigen werden.


Entwicklung des deutschen Stromverbrauchs bis 2030
(Grafik: Prognos)
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Während 2018 grüner Wasserstoff noch keine Rolle spielte, sieht das Szenario 2030 einen Einsatz in Höhe von 37 Terawattstunden vor. Davon werden 40 Prozent als Energieträger in Industrie und Verkehr sowie weitere 40 Pro­zent in der Energiewirtschaft verbraucht, rund 20 Prozent als Industrie-Rohstoff ver­wendet. Im Inland kann jedoch – entsprechend dem erreichten Ausbau der erneuerbaren Energien – nur etwa ein Drittel dieses Wasserstoffs erzeugt werden, bei einem Stromverbrauch von 20 Terawattstunden.

Auch im Wärmesektor wird Strom an Bedeutung gewinnen. Im Szenario steigt die Zahl der Wärmepumpen von knapp einer Million im Jahr 2018 auf 5,5 Millionen im Jahr 2030, ein Verbrauchsplus von 38 Terawatt­stunden.

Dämpfend auf den Anstieg des Stromverbrauchs – um minus 80 Tera­wattstunden – wirkt sich dagegen laut Szenario die bessere Geräte­effizienz aus und der – wegen des Ausstiegs aus Kernenergie und Kohle – rückläufige Eigenverbrauch der Kraftwerke. Weniger Strom wird auch im Bergbau, in Kokereien und Raffinerien gebraucht.

Mit der im Koalitionsvertrag von Ende November festgelegten Beschleu­nigung der Energiewende werden die Ziele noch anspruchsvoller: Der Ausstieg aus der Kohleverstromung soll von 2038 bis „idealerweise“ 2030 vorgezogen werden. Der Strombedarf wird bis dahin auf 680 bis 750 Terawattstunden steigen. Laut Koalitionsvertrag sollen davon 80 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen.

bal