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Ausgabe 01/2021
Bilanz

Energie 2020

Vor allem wegen der Corona-Pandemie und der Einschränkungen im wirtschaftlichen und öffentlichen Leben nahm der Primärenergie-Verbrauch in Deutschland 2020 um fast neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab. Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen errechnete einen historischen Tiefstand von 399 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten.


Der Verbrauch an Primärenergie 2020
(Grafik: Reinald Fenke)

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Mit Ausnahme der Erneuerbaren verzeich­ne­ten alle Energieträger Rückgänge: Der Verbrauch an Mineralöl ging um rund 12 Prozent zurück. Erdgas sank um gut drei Prozent ab, Stein- und Braunkohle um jeweils 18 Prozent. Kernenergie lieferte nach der Abschaltung des Kraftwerks Philippsburg 14 Prozent weniger Strom. Nur die erneuerbaren Energien steigerten ihren Beitrag – um insgesamt drei Prozent.

Trotz dieser Veränderungen bleibt es bei einem breiten Mix: Gut 76 Prozent des Primärenergieverbrauchs entfallen auf fossile Energie­träger, auf Öl und Gas, Stein- und Braunkohle, sechs Prozent auf Kernenergie. Die Erneuerbaren steigerten ihren Beitrag auf fast 17 Prozent. Ihre Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz stieg laut Bundesnetzagentur auf insgesamt 24 Milliarden Euro.

In Folge der Corona-Pandemie ging auch der Stromverbrauch zurück – um gut vier Prozent auf 544 Milliarden Kilowattstunden, so der Bundes­verband der Energie- und Wasserwirtschaft. Entsprechend sank die Erzeugung: aus Steinkohle um mehr als ein Viertel, aus Braunkohle um knapp ein Fünftel. Gaskraftwerke legten um knapp ein Prozent zu. Die Erneuerbaren Energien lieferten insgesamt vier Prozent mehr Strom. Ihr Anteil an der Stromproduktion stieg damit auf fast 45 Prozent. Die stärksten Zuwächse – um jeweils gut elf Prozent – verzeichneten dabei Photovoltaik und Windenergie auf See.


2020 lagen Kohle- und Windstrom erstmals auf Augenhöhe
(Foto: Panthermedia, cbpix)
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Die Windenergie – mittlerweile bedeutendster Energie­träger im Strom-Mix – erzeugte erstmals so viel Strom wie die Kohle. Die installierte Leistung der mittlerweile 29.608 Windräder an Land stieg um knapp 1.800 Megawatt auf nunmehr 55 Gigawatt. Bis 2030 sollen laut Erneuerbare-Energien-Gesetz 71 Gigawatt erreicht werden.

Auf See gingen gut 200 Megawatt neu ans Netz. Hier stehen inzwischen 1.500 Turbinen einer Gesamtleistung von 7,8 Gigawatt – im europäischen Vergleich Platz zwei hinter Großbritannien. Bis 2030 sollen laut Windenergie-auf-See-Gesetz 20 Gigawatt installiert sein, das Doppelte bis 2040.

Rund 4.400 Megawatt Photovoltaikleistung wurden hinzugebaut. Am Jahresende waren damit zwei Millionen Anlagen mit insgesamt 53 Gigawatt installiert. Bis 2030 sollen es nach jetzigen Plänen 100 Gigawatt werden.

In der Klimabilanz sanken die Treibhausgas-Emissionen um 70 Millionen Tonnen oder minus 8,7 Prozent – der größte Jahresrückgang seit 1990, so das Umweltbundesamt. Den kräftigsten Beitrag dazu leistete die Energiewirtschaft mit minus 38 Millionen Tonnen. Allerdings lassen sich gut ein Drittel aller Minderungen auf die Folgen der Corona-Pandemie zurückführen. „Ohne die Corona-Lockdowns mit den Einschränkungen bei Produktion und Mobilität hätte Deutschland sein Klimaziel für 2020 verfehlt“, so Bundesamtspräsident Dirk Messner: „Das bedeutet, dass die Emissionen wieder steigen werden, wenn die Wirtschaft anspringt“.

imi