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Ausgabe 02/2020
Biokraftstoff

Ist Palmöl nachhaltig?

In zahllosen Produkten findet sich Palmöl: in Süßigkeiten, Tütensuppen, Backwaren oder Reinigungsmitteln. Auch in Kraftstoffen und zur Strom- und Wärmegewinnung wird Palmöl verwendet: „Es gibt keine Ölpflanze, die so ertragreich pro Hektar ist wie Palmöl“, erläutert Maria Backhouse, Expertin für Bioökonomie an der Universität Jena. „Für alle anderen Ölpflanzen wie Raps, Sonnenblume oder Soja müssten vergleichsweise mehr Flächen bepflanzt werden.“


Palmöl-Plantage in Malaysia (Foto: Panthermedia)

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Trotzdem hat die Ölpalme bei Umwelt­schützern ein schlechtes Image. Für neue Anbauflächen, etwa in den größten Produktionsländern Malaysia und Indonesien, werden regelmäßig gigantische Flächen Regenwald gerodet: „Alles sieht gleich aus, es gibt nichts außer Ölpalmen und verein­zelten Abwassergräben“, beschreibt Jacey Bingler von der Umweltorganisation „urgewald“ die Plantagen. Anders als in intakten Regenwäldern sei es auf den Plantagen totenstill. Grund dafür seien auch die zur Schädlingsbekämpfung eingesetzten Pestizide und Düngemittel im Boden.


Keine Ölpflanze ist so ertragreich wie die Ölpalme (Foto: Panther­media)
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Hannah Cooper von der Universität Notting­ham kritisiert vor allem die Entwässerung von tropischen Torfmoor-Sumpfwäldern zum Anbau von Palmöl, wie etwa im malaysischen Bundesstaat Selangor. So gelangten große Mengen Kohlenstoff und andere Treibhaus­gase in die Atmosphäre.

Zertifikate für nachhaltig produziertes Palmöl vergibt zum Beispiel die Organisation „Roundtable On Sustainable Palm Oil“ (RSPO) an Unternehmen. RSPO ist ein internationaler Zusammenschluss von Industrie, Handel und Nichtregierungs­organisa­tionen wie die Umweltgruppe WWF. Die Mitgliederliste enthält auch deutsche Namen wie die Alfred Ritter GmbH, Aldi, Bahlsen und Bayer – alles Unternehmen, die von der Ölpflanze profitieren.

Genau das kritisiert das Aktionsbündnis „Regenwald statt Palmöl“. Zumindest in seiner gegenwärtigen Form sei das RSPO-Zertifikat ungeeignet und diene Profiteuren der Palmöl-Produktion zum „Greenwashing“, so die Internetseite des Vereins. Außerdem sei unklar, wie die tatsächlichen Kontrollen vor Ort aussehen. Dennoch sei eine nachhaltige Palmöl-Produktion möglich, etwa durch die Nutzung vorhandenen Brachlandes, sagt Julia Cissewski vom Aktionsbündnis. Allerdings seien Regenwaldflächen für neue Plantagen lukrativer, wegen der Tropenhölzer. „Durch den Verkauf der Hölzer können die ersten Jahre, in denen die Palmen heranwachsen und noch keine Früchte tragen, finanziert werden“.


Palmöl wird in Deutschland überwiegend zur Energiegewinnung und für Biokraftstoffe eingesetzt. (Grafik: Reinald Fenke)
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Der Verein „urgewald“ lehnt Zertifikate für nachhaltiges Palmöl komplett ab: Durch die Monokultur seien die Böden der Plantagen nach wenigen Jahren ausgelaugt, weshalb immer neuer Regenwald abgeholzt werden müsse. Ausgediente Plantagen lägen meist brach und seien durch die Masse an giftigen Stoffen im Boden für weitere landwirt­schaft­liche Nutzung ungeeignet.

Für die die Jenaer Expertin Backhouse gibt es deshalb nur eine Alternative: „Es muss weniger Palmöl beziehungsweise insgesamt weniger Pflanzenöl verbraucht werden.“ Dazu gibt es immerhin Ansätze: Die EU bemüht sich darum, Palmöl zumindest aus Biokraftstoffen zu verbannen. Eine Richtlinie aus dem Jahr 2018 will den Palmöl-Anteil in Biokraftstoffen bis 2030 schrittweise auf null senken.

Oliver Ramme vom Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) hält Zerti­fizierungssysteme wie RSPO dagegen für geeignet, um die Produktion von Palmöl auf Einhaltung der Standards zu überwachen. Ähnlich wie beim RSPO sind die FONAP-Mitglieder Unternehmen und Nicht­regierungs­organisationen. Auch die Bundesregierung unterstützt FONAP, unter anderem mit Fördergeldern.

Die im RSPO-System zugelassenen Zertifizierer prüften genau, ob eine für den Anbau vorgesehene Fläche schützenswert sei, so Ramme. „Wenn dem so ist, darf da keine Plantage angelegt werden und zum Beispiel Torfböden müssen erhalten bleiben.“ Er appelliert an Unter­nehmen, sich für zertifiziertes Palmöl zu entscheiden. Eine hypothe­tische Alternative zur Einfuhr von Palmöl sei der lokale Anbau. Allerdings gebe es hierzulande nicht genug Anbauflächen: „Auch das wichtigste europäische Pflanzenöl, das Rapsöl, könnte die steigende globale Nachfrage nach Pflanzenölen nicht decken“.

Taylan Gökalp, dpa