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Ausgabe 02/2017
Umfrage

Klima- und Energiepolitik in Europa      

Was denkt man in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Norwegen über Klimawandel und Energiepolitik? Im Ländervergleich untersuchte dies eine repräsentative Befragung von jeweils rund tausend Bürgerinnen und Bürgern im Juni letzten Jahres. Die von der britischen Cardiff-Universität koordinierte Studie wurde jetzt veröffentlicht.


Wetterextreme verbinden viele der Befragten mit dem Begriff Klimawandel (Foto: GK Sens-Yonne, CC BY-ND 2.0

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Die Situation der vier Länder stellt sich den Autoren unterschiedlich dar: In Deutschland will man bis 2022 aus der Kernspaltung aussteigen und bis 2050 mindestens 60 Prozent der Stromerzeugung durch Erneuerbare Quellen decken. Heute sind Braun- und Steinkohle wichtige Energie­quellen. Die Treibhausgas-Emissionen liegen über dem europäischen Mittelwert. In Frankreich wird zurzeit drei Viertel des Stroms in Kernkraftwerken erzeugt. Im europäischen Vergleich ist der Prokopf-Ausstoß an Treibhausgasen eher niedrig.

Norwegens Stromversorgung beruht fast völlig auf Wasserkraft. Dennoch erreicht der Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen fast den deutschen Wert, eine Folge der Erdöl- und Erdgasförderung in der Nordsee, eine wichtige Einnahmequelle beim Export. Die Energiepolitik Großbritanniens dreht sich um die abnehmenden Öl- und Gasvorräte in der britischen Nordsee sowie Erneuerbare und neue Kernkraftwerke – als Teillösung für das Klimaproblem, die die Emissionen nahe am europäischen Pro-Kopf-Mittelwert hält .


Werden Wissenschaft und Technologie unsere Probleme mit dem Klimawandel lösen?
(Grafik: IPP)

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Allen vier Ländern gemeinsam ist: Der Klimawandel ist kein Top-Thema. Unter den wichtigsten Zukunftsproblemen nennen ihn nur zwei Prozent der Befragten in Groß­britannien, drei bzw. sechs in Deutschland bzw. Frankreich, immerhin zehn Prozent in Norwegen. Stattdessen dominiert in Frankreich das Thema Arbeitslosigkeit, in Deutschland die Flüchtlingskrise, in Großbritannien die Einwanderung.

Eine große Mehrheit der Deutschen – 83 Prozent – geht allerdings davon aus, dass es den Klimawandel gibt. Überraschend hohe 16 Prozent jedoch sind davon nicht überzeugt, deutlich mehr als in Großbritannien, Frankreich und Norwegen mit zwölf, sechs und vier Prozent. Ein Grund dafür könnte sein, so die Studie, dass drei von vier Deutschen das Thema für wissenschaftlich umstritten halten. Nur knapp jeder vierte Befragte meint, dass die Klimaforscher weitgehend darin übereinstimmen, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt. Tatsächlich stimmen dem aber über 97 Prozent der Klimaforscher zu, so die Autoren.


Strompreise im Vergleich (Grafik: IPP; Daten: Eurostat)

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Wie besorgt sind Sie über den Klimawandel? Hierauf reagierten am stärksten die Befragten in Frankreich: 41 Prozent beschreiben sich als sehr oder sogar extrem besorgt. In Großbritannien war die Besorgnis mit 20 Prozent am geringsten, dazwischen Deutschland und Norwegen mit 30 bzw. 29 Prozent.

Gefragt wurde auch nach den Einstellungen zu verschiedenen Energiequellen. Auf große Zustimmung in allen vier Ländern treffen die Erneuerbaren Energien. Jeweils mehr als 70 Prozent der Bürger sehen Solarenergie, Wind- und Wasserkraft positiv. Dagegen bewerten nur zwei von zehn Bürgern in Frankreich, Deutschland und Norwegen Kernenergie positiv. Anders Großbritannien: Hier beurteilen 40 Prozent Kernenergie positiv.

In Frankreich und Norwegen stimmen die Befragten am stärksten – zu 66 bzw. 76 Prozent – der Forderung zu, Energie solle umwelt- und klimafreundlich erzeugt werden. In Deutschland und Großbritannien ist dies nur etwa der Hälfte der Befragten wichtig. Hier wird am stärksten der Forderung beigepflichtet, Energie solle kostengünstig erzeugt werden.

“Ich bin bereit, meinen Energieverbrauch wesentlich zu senken, um so zur Bekämpfung des Klimawandels beizutragen”: Diesem Statement stimmen mit 80 Prozent am stärksten die französischen Befragten zu. In Norwegen stimmen 70 Prozent zu, in Großbritannien 59 und in Deutschland 53 Prozent. Auch wenn es um höhere Steuern auf Kohle, Öl und Gas geht, zeigen sich die Deutschen zurückhaltend: 53 Prozent lehnen dies ab. Eine Erhöhung der Strompreise wird von über zwei Drittel der Deutschen abgelehnt.  

bal