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Ausgabe 01/2013
Bevölkerungswachstum

Der Einfluss des Energieverbrauchs

Dass die Weltbevölkerung beim Stand von zehn Milliarden Menschen aufhört zu wachsen, wie es UNO-Prognosen für das Ende des Jahrhunderts in Aussicht stellen (siehe Energie-Perspektiven 3/2011), ist unwahrscheinlich. Das zeigen Modellrechnungen, die am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock in Kooperation mit US-amerikanischen Wissenschaftlern der Yale-Universität und vom Santa Fe Institute angestellt wurden: Zwar könnte es zu einer kurzfristigen Stagnation kommen. Schon kleine Schwankungen in der Energieversorgung dürften aber dazu führen, dass die Bevölkerung erneut stark wächst.


Wovon hängt das Wachstum der Weltbevölkerung ab? (Foto: Panthermedia)

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„Die Obergrenze der Vereinten Nationen ist alles andere als ein stabiles Gleichgewicht“, fasst Max-Planck-Forscher Oskar Burger die Berechnungen der Wissenschaftler zusammen. Ihr Populationsmodell geht von der Beobachtung aus, dass das Bevölkerungswachstum stark vom Pro-Kopf-Energieverbrauch abhängt: Ist mehr Energie nutzbar, begünstigt dies die wirtschaftliche Entwicklung und drückt in der Folge die Geburtenraten. Sind sie rund um den Globus klein genug, hört die Weltbevölkerung auf zu wachsen.

Damit bezieht das Modell eine Vergleichsgröße ein, während die UNO-Vorhersagen lediglich den seit einigen Jahrzehnten sichtbaren Trend sinkender Geburtenziffern für kommende Zeiten fortschreiben, dafür aber keinen Mechanismus angeben. „Bei 10 Milliarden Menschen ist tatsächlich eine Stagnation erreichbar“, so Oskar Burger. „Die Bevölkerungsgröße bleibt aber nur auf diesem Niveau, wenn weiterhin ständig genügend Energie pro Kopf zur Verfügung steht.“ Das sei jedoch kaum zu erwarten: „Seit 1960 ist die Bevölkerung stärker gewachsen als die weltweit nutzbare Energiemenge. In den letzten 50 Jahren hat sich die Weltbevölkerung damit von einem stabilen Gleichgewicht sogar noch entfernt“.

Komme es tatsächlich zu einem Stillstand des Wachstums, ohne dass es genügend Energiezufuhr gebe, reichten schon kleinste Veränderungen bei den Ressourcen oder im Verhalten der Gesellschaften, um eine Abweichung auszulösen, die sich sofort verstärkt.

„Unser Modell des Bevölkerungswachstums ist noch recht einfach“, meint Oskar Burger. Es solle weder die existierenden UNO-Projektionen ersetzen, noch konkrete Voraussagen machen. Es sei aber ein Ausgangspunkt, um mehr kausale Dynamik in Bevölkerungsmodelle einzubauen – in einem ersten Schritt die fundamentale Abhängigkeit von der Energie. Nun müsse mehr darüber herausgefunden werden, wie die Energie im Detail auf die Bevölkerungsgröße wirkt.

orb

Originalveröffentlichung:
John P. DeLong, Oskar Burger, Marcus J. Hamilton: The UN medium population projection is an unstable equilibrium, in: Frontiers in Ecology and the Environment, Band 11, Ausgabe 2, März 2013, Seite 65 - 66.