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Ausgabe 01/2010
Klimaschutz

Probleme beim UN-Klimarat

Wenn der UN-Klimarat seine Gutachten zur Entwicklung des Klimas vorstellt, ist ihm die Aufmerksamkeit der Welt sicher. Die Experten des IPCC tragen aus Studien zusammen, was sich über die Zukunft der weltweiten Temperatur, der Gletscher, des Monsuns, von Dürreperioden oder des Meeresspiegels wissenschaftlich begründet sagen lässt. Die Berichte dieses Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen sind Grundlage für die internationalen Klimaverhandlungen auf höchster Ebene.


Pressekonferenz des IPCC (Foto: UN Photo)

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Seit Fehler im jüngsten Report auffielen, sieht sich das Gremium jedoch heftiger Kritik ausgesetzt. Der Ärger konzentriert sich dem äußeren Anschein nach auf einen beanstandeten Absatz des vierten Weltklimaberichts, ist tatsächlich aber viel weit- und tiefgreifender.

Im akuten Fall finden sich zwei Schnitzer: Viele Gletscher im Himalaya könnten bis 2035 verschwinden, die Gesamtfläche schrumpfe wahrscheinlich in den nächsten Jahren von 500.000 auf 100.000 Quadratkilometer – eine offensichtlich ungeprüft von der Umweltstiftung WWF übernommene falsche Aussage. Ursache ist vermutlich ein Zahlendreher, so kürzlich eine Analyse im Journal „Science“: Ein russischer Forscher hatte bis 2350 ein Abtauen der Gletscher von 500.000 auf 100.000 Quadratkilometer prognostiziert. Diese Arbeit bezog sich zudem auf die weltweiten Eisströme, nicht speziell auf den Himalaya, der nur rund 33.000 Quadratkilometer Gletscher besitzt – zwei peinliche Fehler.



Mögliche Änderungen der Temperatur: Modellsimulation für den Weltklimarat (Grafik: DKRZ, MPI-M, M&D)
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Der IPCC müsse sich grundlegend reformieren, wolle er nicht irrelevant werden, meint der deutsche Klimaforscher Professor Hans von Storch vom Institut für Küstenforschung des Forschungszentrums GKSS in Geesthacht: „Der IPCC leistet einen wesentlichen Service für die Klimapolitik. Er ist unverzichtbar, aber aufgrund mangelhaften Managements und unzureichender Kommunikation in eine Glaubwürdigkeitskrise gerutscht“, so von Storch. Seine Reformvorschläge: Die häufige Praxis müsse beendet werden, dass dominante Forscher als Leitautoren vor allem „Publikationen von sich selbst und ihren Freunden bewerten“. Interessen von Unternehmen und Umweltverbänden müssen strikt herausgehalten werden. Ein unabhängiges Beratungsgremium sollte geschaffen werden, das nicht an der Erarbeitung der IPCC-Berichte mitwirkt, sondern den Umgang mit Interessenkonflikten und Fehlern regelt.

Wichtige Leitautoren sollen regelmäßig, spätestens aber nach zwei aufeinanderfolgenden Berichten wechseln. Der Rat soll stärker als bisher Punkte aufnehmen, in denen keine Einigkeit besteht und auf Kritik eingehen. Zuletzt fordert von Storch eine strikte Trennung von wissenschaftlicher Arbeit und politischen Funktionen, betont jedoch zugleich: „Der IPCC ist eine sehr nützliche Einrichtung. Da der menschengemachte Klimawandel eine reale Entwicklung darstellt und die Staaten dieser Welt darauf reagieren müssen, braucht es einen IPCC.“ Allerdings einen besseren als heute.

Das neue Gremium sollte unabhängig und stark werden – eine Internationale Klima-Agentur analog der Europäischen Zentralbank oder der Internationalen Atomenergie-Agentur. Dies schlägt der ebenfalls am Forschungszentrum GKSS arbeitende Eduardo Zorita, Mitautor des IPCC-Berichtes von 2007, im Magazin „Nature“ vor. Eine solche Internationale Klima-Agentur hätte rund 200 Vollzeit-Mitarbeiter und wäre unabhängig von Regierungen, der Industrie und akademischen Einrichtungen.

Thilo Resenhoeft,dpa