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Ausgabe 03/2006
Energieeffizienz

Spar-Programm für Wien

Mit einem Energieeffizienz-Programm will die Stadt Wien ihren Endenergieverbrauch jährlich um ein halbes Prozent unter den prognostizierten Verbrauch senken. Was zunächst bescheiden klingt, ist tatsächlich ein anspruchsvolles Ziel: In den letzten zehn Jahren ist nämlich der Energieverbrauch in den Wiener Haushalten, im Verkehr, in Industrie und Gewerbe stetig angestiegen. Business as usual vorausgesetzt, würde er bis 2015 – so Berechnungen der Technischen Universität Wien – um weitere zwölf Prozent auf 42.000 Gigawattstunden klettern. Mit dem Sparprogramm sollte es gelingen, diesen Anstieg auf sieben Prozent zu bremsen.

Gingen in die Rechnungen ein: Die 168.000 Gebäude der Stadt Wien
(Foto: Wiener Stadtwerke)

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Um zu untersuchen, wie Energie möglichst kostengünstig und ohne Komfortverlust einzusparen ist, wurde vor zwei Jahren eine Projektgruppe aus Wissenschaftlern und städtischen Fachleuten gegründet. Insbesondere die Haushalte, auf die ein volles Drittel des Gesamtbedarfs entfällt, wurden genau analysiert: Ausgehend vom Ist-Zustand der 168.000 Wiener Gebäude und der Ausstattung der 800.000 Haushalte mit Elektrogeräten berechnete Stefan Winkelmüller von der Gruppe „Energie- und Systemstudien“ des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Garching mit einem von der Firma IRM AG entwickelten Rechenprogramm mehrere Spar-Szenarien. Für die jeweils angestrebte Energieeinsparung liefert das Programm den volkswirtschaftlich optimalen Maßnahmenmix: „Eine Einsparung in den Haushalten von 900 Gigawattstunden im Jahr 2015 verursacht gegenüber ‚Business as usual’ keine Mehrkosten, sondern spart im Gegenteil neben Energie auch Kosten ein. Hier lohnen sich die Anstrengungen zum Energiesparen also nicht nur für die Umwelt sondern auch finanziell“, erläutert Stefan Winkelmüller. Am meisten bringt die Sanierung von Gebäuden aus den 50er bis 70er Jahren und der Wechsel zu effizienteren Heizsystemen. Allerdings: Je höher die Energieersparnis sein soll, desto geringer wird die Kosteneinsparung. Bei sehr hoher Verbrauchssenkung schließlich sind die Szenarien teurer als „Business as usual“.


Energieverbrauch der Stadt Wien mit und ohne Spar-programm (Grafik: nach SEP Wien)
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Der Gesamtbericht des Projektteams enthält, abgesehen vom Haushaltssektor, auch Sparstrategien für die Bereiche Dienstleistungen, Industrie und Gewerbe. Mit der Umsetzung soll im nächsten Jahr begonnen werden. Stefan Winkelmüller: „Der Maßnahmenkatalog wird nur in großer Anstrengung aller Beteiligten realisierbar sein. Damit sollte es aber auch gelingen, den Anstieg des Energieverbrauches bis 2015 von den prognostizierten zwölf auf sieben Prozent zu bremsen. Dies entspricht einer gewaltigen jährlichen Einsparung von 180 Gigawattstunden – der Jahresverbrauch an Heizenergie für 30.000 Einwohner.“

imi