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Ausgabe 02/2015
Fusionsforschung

Fortschritte auf der ITER-Baustelle     

Die ersten hundert Tage Amtszeit lagen hinter ITER-Generaldirektor Bernard Bigot, als Mitte Juni seine geplante Organisationsreform (siehe Energie-Perspektiven 4/2014) auf der Tagesordnung des ITER-Rates – dem Aufsichtsgremium des internationalen Projekts zur Fusionsforschung – stand. Die Schwächen der bisherigen Projektstruktur, die Verzögerungen nicht verhindern konnte, und seine Reformpläne spricht Bigot offen auch in der Zeitschrift „Nature“ an. Der Experimentalreaktor ITER soll zeigen, dass es möglich ist, durch Verschmelzung von Atomkernen Energie zu gewinnen.


Die ITER-Baustelle im April 2015
(Foto: ITER-Organisation)

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Die Vertreter der ITER-Partner China, Europa, Indien, Japan, Russland, Südkorea und USA begrüßten Bigots Umstrukturierung. Die gestraffte Organisation soll dem Direktor und dem Zentralteam in Cadarache direkte Kontrolle und eine engere Verbindung zu den Projekt-Vertretungen der sieben Partner ermöglichen, die die Bauteile fertigen und zuliefern. Auch unter Fusionsforschern finden seine Pläne Zustimmung: „Es ist bitter nötig, dass etwas passiert“, sagte zum Beispiel Sibylle Günter, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, der Süddeutschen Zeitung. Die bisherigen Abstimmungsschwierigkeiten seien neben technischen Problemen der Hauptgrund für die Kostensteigerung und die Verzögerung beim Bau. Einen novellierten Zeit- und Kostenplan will Bigot zur nächsten Sitzung des ITER-Rats im November vorlegen.

Wie viel sich auf technischer Seite im vergangenen Jahr auf der ITER-Baustelle getan hat, fasst ein Video auf YouTube zusammen: Im Zentrum des riesigen Bauplatzes werden gerade auf dem 1,5 Meter dicken, erdbebensicheren Fundament der späteren Experimenthalle die Kellerwände gegossen. Fertig sind das Bürogebäude, die Hallen zum Wickeln eines Teils der Magnetspulen und zur Montage des Kryostaten, der die Anlage wärmeisolierend umhüllt.

Noch dieses Jahr soll der Bau zehn weiterer Gebäude und Werkhallen starten: Sie werden die Kälteanlage zur Kühlung der supraleitenden Magnetspulen beherbergen, die den magnetischen Käfig für das Plasma erzeugen, die Radiowellenheizung zum Aufheizen des Plasmas und den Kontrollraum, von dem aus später die Experimente gesteuert werden. Die Fertigung der über eine Million Komponenten für die Forschungsanlage ist weltweit in vollem Gange. Die ersten Bauteile, darunter auch die erste europäische Lieferung – sechs große Tanks aus Spanien für den Brennstoffkreislauf – sind bereits auf dem Bauplatz in Cadarache angekommen.

imi