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Ausgabe 02/2011
Fossile Energien

Goldene Zeiten für Erdgas?

Bestätigen sich die gegenwärtigen Anzeichen, dann könnte der weltweite Gasverbrauch in den nächsten 25 Jahren um mehr als die Hälfte steigen. Dafür sprechen neben großen Vorräten und niedrigen Preisen ebenso die gesunkenen Chancen der Kernenergie, meint die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrer Analyse „Are We Entering a Golden Age of Gas?”.


Erdgas-Förderung in Deutschland (Foto: WEG)

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Insbesondere für Länder mit stark steigender Energienachfrage wie China, Indien und den Mittleren Osten ist Erdgas eine attraktive Option. Hier werden die Steigerungsraten maßgeblich bestimmt. Allein China, dessen Erdgasverbrauch heute etwa so hoch ist wie der deutsche, könnte – geht es nach den energiepolitischen Weichenstellungen im neuesten chinesischen Fünf-Jahresplan – bis 2035 das Verbrauchsniveau der gesamten Europäischen Union erreichen. Weltweit würde die jährliche Nachfrage auf gut fünf Billionen Kubikmeter Erdgas ansteigen, so das IEA-Szenario, knapp zwei Billionen mehr als heute und über ein Viertel der globalen Energienachfrage.


Woher kommt das Erdgas? (Daten: IEA, Grafik: IPP)
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Dem wachsenden Verbrauch stehen große, geografisch weit verteilte Vorräte gegenüber. Die förderbaren konventionellen Ressourcen würden bei heutigem Verbrauch 120 Jahre lang ausreichen. Größer noch schätzt man die unkonventionellen Gasvorräte, deren Bedeutung nach IEA-Erwartung zunehmen wird – vor allem Schiefergas (siehe Energie-Perspektiven 2/2010). Ein Unsicherheitsfaktor hierbei sind jedoch die erheblichen Umweltschäden, die mit der technisch aufwändigen Ausbeutung verbunden sein können.

Der Bericht analysiert auch die Klimafolgen dieser Expansion. Sie hängen davon ab, ob das Gas an die Stelle von Kohle oder Kernenergie tritt. Der wachsende Gasanteil im globalen Energiemix könne alleine die klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen jedenfalls nicht so weit senken, dass das allgemein anvisierte Zwei-Grad-Celsius-Ziel erreichbar werde. Im Gegenteil sieht das IEA-Szenario einen Temperaturanstieg von mehr als 3,5 Grad voraus. „Erdgas ist zwar der ‚sauberste’ fossile Brennstoff, aber eben immer noch ein fossiler Brennstoff“, sagte IEA-Geschäftsführer Nobuo Tanaka bei der Präsentation des Berichts: „Eine Ausweitung des Gaseinsatzes ist kein Allheilmittel gegen den Klimawandel“.

bal