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Ausgabe 04/2002
Biogas

Energie aus BSE-Rindern

Seit dem Auftreten der Rinderkrankheit BSE ist die Entsorgung tierischer Abfälle aufwendiger geworden. Denn das bislang daraus hergestellte Tiermehl darf nicht mehr verfüttert werden, sondern muss verbrannt werden. Die bayrische Firma ATZ-EVUS hat nun ein neues Verfahren vorgestellt, bei dem nicht nur die tierischen Abfälle - selbst BSE-verseuchtes Rindfleisch - beseitigt werden, sondern zugleich Biogas erzeugt wird.


Das THP-Verfahren (Grafik: ATZ-EVUS)
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Hierfür werden die Abfälle zunächst zerkleinert und dann einem TPH-Reaktor (Thermal Pressure Hydrolis) zugeführt, in dem Proteine und Fette bei Temperaturen von ca. 200 Grad Celsius und einem Druck von 20 bis 30 bar hydrolytisch gespalten werden. Das Ergebnis sind vollständig sterilisierte organische Bruchstücke, die anschließend anärob vergärt werden. 90 Prozent der chemischen Energie werden bei diesem Vorgang in Biogas umgesetzt. Nach mikrobakterieller Entschwefelung kann das Gas in einem Blockheizkraftwerk eingesetzt werden. Mit einer Tonne tierischem Abfall lassen sich auf diese Weise 800 Kilowattstunden Strom erzeugen. Die frei werdende thermische Energie wird wieder dem TPH-Reaktor zugeführt.

Erprobt wurde das Verfahren über einen Zeitraum von rund anderthalb Jahren – vom 3. Quartal 2000 bis Ende 2001 – in einer Versuchsanlage, die eine Kapazität von bis zu 1000 Kilogramm pro Stunde hatte. Die Ergebnisse waren so überzeugend, dass die Tierkörper Verwertungsanstalt TVA St. Erasmus im bayrischen Waldkraiburg, die auch den Betrieb der Versuchsanlage finanziell und personell unterstützt hat, nun den Bau einer großen Anlage mit einer Kapazität von 50 000 Tonnen pro Jahr plant. Das Ausschreibungsverfahren läuft bereits. Gefördert wurde die Entwicklung des TPH-Reaktors vom Bayrischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen.

Olivia Meyer


 

ATZ-EVUS