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Ausgabe 04/2002
Kohle in Russland

Serie "Kohle weltweit", Teil 5
Kohle in Russland

Russland verfügt mit 160 Milliarden Tonnen über die zweitgrößten Kohlereserven der Welt, zudem über die größten Erdgasvorräte sowie über erhebliche Ölreserven - und ist der drittgrößte Energieverbraucher: Der gewaltige Kraftwerkspark Russlands erzeugt insgesamt rund 200 Gigawatt elektrischer Leistung. Das Land ist zudem ein wichtiger Akteur auf dem Weltenergiemarkt - größter Erdgasexporteur und einer der größten Ölexporteure. Energie macht rund 40 Prozent des russischen Exportes aus. Der Energiesektor erwirtschaftet 20 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts und liefert die Hälfte der Haushaltseinnahmen des russischen Staates. "Jedes Energiekonzept ist daher ein Politikum", stellt die Moskauer Deutsche Zeitung (MDZ) fest.


Die Kohle­lager­stätten Russlands (Grafik: RWE Rheinbraun AG)
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Unmittelbar nach dem Zerfall der Sowjetunion war Russland größter Produzent und Exporteur auf dem Steinkohleweltmarkt. Mit dem gesamtwirtschaftlichen Niedergang nach 1991 gingen Kohleförderung und Ausfuhr jedoch stark zurück. Mitte der 90er Jahre begann daher mit Hilfe der Weltbank ein massiver Umbau des Kohlesektors: Die weitgehend in staatlicher Hand liegenden Gruben und Industriebetriebe wurden zunehmend privatisiert und Subventionen aufgehoben. In einem sozial schmerzhaften Prozess wurden zudem unwirtschaftliche Gruben geschlossen und zahlreiche Arbeitsplätze abgebaut. Entsprechend steigt die Kohleerzeugung seit 1999 wieder an.

Hauptproblem der russischen Kohleindustrie ist der niedrige Gaspreis auf dem Binnenmarkt: So deckt Erdgas über 60 Prozent des russischen Energieverbrauchs, Kohle gerade 16 Prozent. Nach dem Mitte des Jahres 2002 veröffentlichten neuen Energiekonzept der russischen Regierung, so berichtet die MDZ, soll sich dies jedoch ändern: Um mehr Erdgas zu den wesentlich höheren Weltmarktpreisen exportieren zu können, soll auf dem Binnenmarkt der Kohleanteil an der Energieproduktion auf 28 Prozent gesteigert werden. Dabei geht die Regierung davon aus, dass in den nächsten 20 Jahren der Energiebedarf des Landes insgesamt um etwa ein Drittel steigen wird.

imi

Weitere Informationen:
Serie "Kohle weltweit": Kohle in den USA, China, Indien, Australien